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Geschichte Bad Griesbachs
STADT
BAD GRIESBACH |
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Geschichte
Bad Griesbach i. Rottal
Zur
Vor- und Frühgeschichte
Die Besiedelung
des Altlandkreises Griesbach ist wissenschaftlich
schon für die Steinzeit (z.B. Neolithikum,
ca. 4000 bis 1800 v. Chr.) gesichert. Die
Hobbyarchäologin Irmgard Friedl fand
bei ihrem Heimatort Reutern Steinwerkzeuge,
die sogar in die Altsteinzeit datiert wurden.
Auch aus der mittleren Steinzeit wurden im
Steinkart beim Teufelsfelsen Mikrolithen,
kleinere Steinwerkzeuge entdeckt, die auf
eine Siedlung aus dieser Zeit hinweisen.
Um 1800 v. Chr. Setzte eine neue Kulturepoche
in Mitteleuropa ein, die Bronzezeit, die bis
ca. 1200 v. Chr. Währte. Die Besiedelung
riss in unserer Gegend auch zu der Zeit nicht
ab. Nach der Urnenfelderzeit (ab 1250 v.Chr.)
fallen in der Latènezeit (ab 500 -
15 v. Chr.) die Funde im Rottal wieder reichlicher
aus. Später setzte der Beginn der keltischen
Wanderung vom unteren Rhein her ein. Keltische
Stämme entwickelten im süddeutschen
Raum die erste städtische Kultur. Drei
spätkeltische Viereckschanzen wurden
ganz nah bei Griesbach in Hub, Biberg und
Maierhof gefunden. Die keltische Zivilisation
und staatliche Ordnung fand mit dem Einmarsch
der Römer 15 v. Chr. Ein ziemlich abruptes
Ende. Das nördliche Voralpenland wurde
in das römische Reich eingegliedert und
in zwei Provinzen eingeteilt: Rätien,
das vom Bodensee bis zum Inn reichte (der
Altlandkreis Griesbach liegt an der Ostgrenze
von Rätien), und das im Osten anschließende
Noricum vom Inn bis nach Wien.
Die
Ritter von Griesbach
Eine erste urkundliche
Erwähnung findet die "Burg Griesbach"
um 1076. Mit einiger Wahrscheinlichkeit verdankt
Griesbach seinen Namen dem Rittergeschlecht
der Freien von Griesbach, die um 1100 die
Burg Lasberg im österreichischen Mühlviertel
besaßen und damals auch auf Burg Untergriesbach
bei Obernzell, östlich von Passau, ansässig
waren. Um diese Zeit muss man auch den Bau
der Burg von Griesbach ansetzen, die in der
Folge zum eigentlichen Sitz dieses Geschlechts
aufrückte.
So eine Burg von der Größe des
Sitzes der Freien von Griesbach und dann der
Ortenburger Grafen war Mittelpunkt eines großen
Herrschaftsterritoriums und dürfte eine
ansehnliche Zahl von Bewohnern gehabt haben,
gut 100 Personen kann man wohl mindestens
annehmen. Die Lage der Festung war nicht nur
strategisch gut gewählt, sondern auch
verkehrstechnisch an die überregionalen
Handelswege angebunden, führte doch schon
in früherer Zeit ein Teilstück einer
uralten Salzstraße vom Innhafen Urfahr
bei Malching über Rotthalmünster
auf den Griesbacher Höhenrücken
und von dort weiter zu den Donauübergängen
bei Sandbach und Vilshofen. Reste der alten
Hochstraße, die von der Rott über
den Schwaimer Wald, an Kronberg und der Köpfstatt
vorbei, mitten durch den Steinkart verlief,
sind noch erkennbar. Im 8./9. Jahrhundert
ist schon eine starke herzoglich/königliche
Aktivität festzustellen, im 12. Und 13.
Jahrhundert sind zahlreiche Adelsgeschlechter
als Herrschaftsträger und Territorialherren
nachweisbar, z. B. die Herren von Rainding,
Bayerbach, Reichertsham, Luderbach, Weihmörting,
Holzham und Würding. Dazu kamen die geistlichen
Herrschaftsträger, neben dem Hochstift
Passau und dem in unserem Raum stark begüterten
Kloster Mondsee bei Salzburg sind die Neugründungen
von Kloster Vornbach (um 1050), Asbach (1122),
Fürstenzell (1274) und St. Salvator (1288/89)
als bedeutende kirchliche und damit auch wirtschaftliche
Zentren zu nennen. Burg und Ort Griesbach
waren eingebunden in ein Geflecht von politischen
und damit auch wirtschaftlichen Beziehungen.
So wird auch das Interesse der Wittelsbacher
Herzöge an der Herrschaft Griesbach als
neue Machtbasis im östlichen Teil ihres
Landes verständlich.
Für die junge Siedlung hieß dies,
dass man Herbergen brauchte für Fuhrleute
und Händler, Stallungen und Ersatzpferde.
Handel und Wandel setzte ein, in immer stärkerem
Umfang wohl auch für die Bevölkerung
des Umlandes. Wo hat sich nun diese frühe
Siedlung befunden? Es spricht einiges dafür,
dass sie nicht an der Stelle des heutigen
Stadtplatzes lag; die Altstadt in ihrer jetzigen
Form entstand erst nach der Zerstörung
Altgriesbachs 1504 im Niederbayerischen Erbfolgekrieg.
Ein Flurname auf dem Katasterblatt aus dem
frühen 19. jahrhundert könnte Aufschluss
geben: "Im alten Markt" heißt
dort eine Region nördlich der ehemaligen
Pfarrkirche St. Michael. Für eine Siedlung
an dieser Stelle gibt es beste Argumente:
Da ist einmal die unmittelbare Nähe zur
Burg, wo der Pfleger und der Richter saßen,
die ihre Untertanen sicher in gut kontrollierbarer
Nähe wussten. Weiter besitzt dieses Terrain
durch Steilhänge ein natürliches
Verteidigungspotential, als befestigter, mit
Gräben umgebender Ort hätte die
Siedlung gleichzeitig die Funktion einer Art
Vorfestung für die Burg selber gehabt.
Vom
Pflegegericht zum Landratsamt
Der niederbayerische
Erbfolgekrieg von 1504 brachte ein seit den
Ungarneinfällen im 8. Jahrhundert nicht
mehr gekanntes Kriegsgeschehen in unsere Region,
mit einem zerstörerischen Wüten,
das als "großer Kehrab über
Niederbayern" in die Geschichte eingegangen
ist. Im bayerischen Bruderkrieg um das Herzogtum
Niederbayern erwiesen sich oberbayerische
wie pfälzische Heere gleichwertig in
ihrer Zerstörungswut. In diesem Krieg
hatte auch Griesbach gewaltig zu leiden. Die
Ortschaft wurde von den pfälzischen Truppen
1504 völlig zerstört. Die Burg selbst
scheint aber damals nicht eingenommen worden
zu sein. Die Marktgemeinde Griesbach entstand
nach 1504 jedenfalls neu - schöner und
größer als sie vorher je gewesen
ist. Den Bauplatz für den neuen Markt
Griesbach hat man nun da festgelegt, wo sich
vermutlich schon vorher ein Platz für
Vieh- und sonstige Märkte befunden hat.
Das neue Griesbach wurde jedenfalls nach dem
Muster der wittelsbachischen Siedlungsgründungen
im späten Mittelalter errichtet, als
deren Kennzeichen ein großzügig
angelegter, längsrechteckiger und sehr
breiter Platz gilt, umstanden von Bürgerhäusern,
die sich vor allem giebelseitig zum Platz
wenden und deren Blendfassaden einen gewissen
übergeordneten Repräsentationsanspruch
zeigen.
Der
Dreißigjährige Krieg
Zu Beginn des 17.
Jahrhunderts prallten in Deutschland die religiös
motivierten politischen Gegensätze aufeinander.
Die protestantischen Reichsstände ("Union")
standen den katholischen Fürsten ("Liga")
gegenüber. Im Dreißigjährigen
Krieg von 1618 - 1648 wütete die Soldateska
der verschiedenen Mächte und politischen
Interessensgruppen im Deutschen Reich. Mit
dem Auftauchen der Schweden 1632 erreichte
der Schrecken des Krieges auch in unserer
Region einen neuen Höhepunkt. Zwar scheint
es, als sei der Markt Griesbach und auch die
Burg von größeren Zerstörungen
verschont geblieben, doch muss das Leiden
der Bevölkerung durch Belastungen von
außerordentlicher Höhe an Geld-
und Sachleistungen, an Einquartierungen, Beschlagnahmungen,
Vergewaltigungen, Folter und Mord unbeschreiblich
gewesen sein. Die Griesbach benachbarten Schlösser
Ruhstorf, Mattau, Rottau, Bergham, die Hofmark
Afham und ein Teil Kößlarns wurden
zerstört.
Der
Spanische Erbfolgekrieg
Im Spanischen Erbfolgekrieg
von 1701 - 1714 kam es nach der verlorenen
Schlacht von Höchstätt 1704 und
der Flucht Kurfürst Max-Emanuels nach
Brüssel zu einer Besetzung Bayerns durch
die Österreicher. Der wegen der quälenden
Bedrückung durch die Besatzungsmacht
ausgebrochene Bauernaufstand Ende 1705 fand
in Oberbayern mit der Sendlinger Mordweihnacht
sein blutiges Ende. Unsere Gegend musste am
8. Januar 1706 in der Bauernschlacht bei Aidenbach
eine noch größere Katastrophe erleben:
An die 4000, zum Großteil nur provisorisch
bewaffnete aufständische Bauern wurden
von den gut gedrillten Truppen des österreichischen
Generals von Kriechbaum niedergemetzelt, die
Soldaten sollen nur acht Mann verloren haben.
In den Pflegegerichten Reichenberg (Pfarrkirchen)
und Griesbach kamen 3600 Bauern nicht mehr
nach Hause.
Österreichischer
Erbfolgekrieg (1741 - 1745)
Schon 1740 prallten
die unterschiedlichen politischen Interessen
Bayerns und Österreichs im sog. Österreichischen
Erbfolgekrieg erneut aufeinander. Bayern erhob
damals Erbansprüche auf Österreich.
Für den bayerischen Kurfürsten Karl-Albrecht
kam es jedoch nicht so, wie er es sich gedacht
hatte. Zwar wurde er selbst 1742 in Frankfurth
am Main als Karl VII. zum Kaiser des Heiligen
Römischen Reiches gekrönt, gleichzeitig
aber besetzten österreichische Truppen
ganz Bayern und rückten in München
ein.
Drei Jahre lang wütete ein erbitterter
Krieg. Am 7. April 1743 fiel in Griesbach
die Burg nach einem heftigen Gefecht in die
Hände der Belagerer. Es waren ungarische
Panduren, deren grausame Kriegsführung
berüchtigt war. 600 Mann wurden in Gefangenschaft
geführt. Belagerung und Beschießung
der Burg hatten so starke Schäden verursacht,
dass eine grundlegende Wiederherstellung nötig
wurde.
1778:
Griesbach wird österreichisch
Nach dem Aussterben
der altbayerischen wittelsbachischen Linie
mit Kurfürst Max III. Josef 1777 erbte
der Pfälzer Karl Theodor das Kurfürstentum
Bayern. Der Kaiser des Reiches, der Habsburger
Josef II., war damit aber nicht einverstanden.
Als Kompromiss einigten sich die beiden auf
einen Gebietsaustausch und Karl Theodor trat
1778 einen Teil Niederbayerns und der Oberpfalz
an Österreich ab, dazu gehörte auch
Griesbach. Diese Gebiete wurden sofort von
Österreich militärisch besetzt.
Auch Griesbach wurde somit kurzfristig österreichisch.
Nach der Intervention König Friedrichs
II. von Preußen musste Josef II. seinen
Appetit auf Bayern zügeln und gab im
Frieden von Teschen 1779 die besetzten Gebiete
weitgehend wieder zurück. Trotzdem bekam
er ein "Zuckerl": Das gesamte altbayerische
Innviertel mit den Städten Braunau und
Schärding, den Märkten Ried, Mattighofen
und Mauerkirchen fiel an Österreich.
Für das Rottal und den Markt Griesbach
hatte das einschneidende Folgen: Das wirtschaftlich
wichtige Innviertel fiel als Hinterland und
Absatzmarkt weg, mit entsprechenden Einbußen
für Handel und Handwerk. Plötzlich
war das Rottal zur Grenzregion geworden.
Reformen
in Bayern:
Graf Montgelas greift
durch Mit dem Regierungsantritt von Kurfürst
Max IV Josef wehte ein neuer Wind in Bayern.
Unter der Leitung seines Ministers Graf Montgelas
kam es zu grundlegenden Reformen in der Staatsverwaltung
und der politisch-sozialen Struktur des Landes.
Schon 1799 wurden die Pflegegerichte aufgelöst
und 1802 in Landgerichte umbenannt. Im Zuge
der Umstrukturierung hatte das Landgericht
Griesbach erheblichen Gebietszuwachs zu verzeichnen.
1861-62 wurde aus dem Landgericht schließlich
das Bezirksamt für die Verwaltung, der
Ort der Rechtspflege hieß weiterhin
Landgericht, ab 1879 Amtsgericht. Aus dem
Kastenamt wurde das Rentamt, darauf nach dem
ersten Weltkrieg das Finanzamt. Seit 1938
tragen die Bezirksämter den Namen Landratsamt
mit einem in Bayern vom Volk gewählten
Landrat.
Als einschneidendste Reformmaßnahme
des aufgeklärten Kurfürsten Max
VI. Josef und seines Staatsministers Montgelas
muss die Säkularisation von 1803 genannt
werden. Alle geistlichen Grundherrschaften
wurden aufgehoben, ihr Besitz eingezogen.
Die Klöster und geistlichen Fürstentümer
wurden aufgelöst. Die Gebiete der ehemaligen
Grafschaft Ortenburg und die Klöster
Aldersbach, Asbach, Fürstenzell, St.
Salvator und Vornbach wurden dem Landgericht
Griesbach eingegliedert.
Als am 8. Mai 1805 ein Großbrand die
meisten Gebäude der Burg stark beschädigte,
wurde das Landgericht zunächst in das
ehemalige Kloster St. Salvator, 1808 dann
in das Schloss von Ortenburg verlegt, bis
es 1818 erneut in seinen wieder aufgebauten
und grundlegend renovierten angestammten Sitz
in der Burg von Griesbach zurückkehren
konnte.
Griesbach
als Handwerkszentrum
Das Gemeinwesen
hatte sich stattlich entwickelt. Nicht weniger
als 47 verschiedene Gewerbe wurden 1808 im
Ort ausgeübt. 1804 zählte der Markt
749 Einwohner, darunter 82 Gewerbetreibende.
Dieses Verhältnis zeigt deutlich die
Bedeutung, die Handel und Wandel für
den Ort hatten und wie stark Beeinträchtigungen
in Kriegszeiten die Wirtschaftsstruktur und
das Einkommen der Bevölkerung treffen
mussten. Die Kriegslasten hinterließen
jedenfalls ihre Spuren: 1831 war die Einwohnerzahl
auf 692 abgesunken. Doch dann ging es rapide
aufwärts. Innerhalb von zwei Jahrzehnen
stieg die Bevölkerung des Marktes Griesbach
auf das 1.100 Einwohner im Jahre 1851 an.
Auch wirtschaftlich hatte sich die Gemeinde
wieder erholt. Am 7. Mai 1859 wurde z.B. die
Einführung einer Straßenbeleuchtung
im Ort beschlossen. Schon 1904 konnten die
Petroleum-Lampen durch elektrische Lampen
ersetzt werden.
Die
beiden Weltkriege
Im ersten Weltkrieg
sind 58 Griesbacher gefallen, im zweiten Weltkrieg
kamen 70 Bürger des Marktes nicht mehr
in die Heimat zurück. Am 1. Mai 1945
fuhren Panzer der US-Armee in Griesbach ein,
damit war hier der Krieg zu Ende. Die vom
örtlichen Volkssturmkommando vorbereitete
Sprengung der Rottbrücken konnten trotz
bereits eingebauter Sprengkapseln vereitelt
werden. Kriegszerstörungen musste der
Ort glücklicherweise nicht erleiden.
Auf
dem Weg in die moderne Zeit - Griesbach wird
Stadt
Dank der Tatsache,
dass das bäuerliche Umfeld in den Nachkriegsjahren
keine Hungersnöte aufkommen ließ,
erholte sich der Ort recht bald. Eine große
Aufgabe war die Integration zahlreicher Heimatvertriebenen,
vor allem aus Schlesien und dem Sudetenland,
die in den Jahren nach dem Krieg in Griesbach
rasch eine neue Heimat fanden. Ein Symbol
des Wiederaufbaus war die Stadterhebung Griesbachs
am 2. September 1953. Öffentliche und
private Bautätigkeit setzten verstärkt
ein, schufen Arbeitsplätze, veränderten
aber allmählich auch das altvertraute
Gesicht des Marktplatzes und der gesamten
Stadt. Bis zum Beginn der 1970er Jahre entwickelte
sich die Stadt Griesbach zu einem rührigen,
einigermaßen wohlhabenden Gemeinwesen
mit zahlreichen Handwerks- und Kleingewerbebetrieben.
Die Bevölkerungsstruktur war geprägt
von den Beamten und Angestellten der hier
angesiedelten Behörden und Organisationen,
wie Landratsamt, Finanzamt, Amtsgericht, AOK,
Forstamt, Kreiskrankenhaus, Staatliche Realschule,
Landwirtschaftliche Berufsschule, Gesundheitsamt,
Veterinäramt, Landpolizei-Inspektion.
Ca. 300 Arbeitsplätze in der Stadtgemeinde
stellten allein diese öffentlichen Einrichtungen.
Dann kam die bayerische Gebietsreform von
1972.
(Text: Auszug aus dem Stadtbuch "Griesbach
im Rottal. Stadt und Heilbad",
Rottaler Buchverlag, 1996)
Die
Touristische Entwicklung der Stadt Bad Griesbach:
Von der Ämterstadt
zum Badeort
Die ersten touristischen Aktivitäten
in Bad Griesbach i. Rottal können an
einem seltenen Dokument aus dem Jahre 1936
festgemacht werden. Es ist ein Werbeprospekt,
der die Vorzüge des Marktes in Wort und
Bild herausstellt. Zwar noch in schwarz-weiß
gedruckt, aber mit allen Bestandteilen, die
man auch heute in den Hochglanzprospekten
findet. Natürlich war von einem Kurbetrieb
noch keine Rede, aber zur "Sommerfrische"
wurde man schon eingeladen. Mit der Gründung
eines Fremdenverkehrsvereins kurbelt Griesbach
1966 den Tourismus an. Der Krefeld-Oppum-
Platz zwischen Realschule und Volksschule
erinnert heute an die ersten größeren
Gästegruppen des dortigen Katholischen
Ferienwerkes. Die Krefelder haben Griesbach
als Ferien- und Urlaubsziel entdeckt.
Die Aktivitäten des Vereins und des Fremdenverkehrsamtes
trugen sehr bald Früchte. Am 17.12.1969
konnte man die erste Anerkennungsstufe "Erholungsort"
erklimmen. Damit nicht zufrieden stellte man
drei Jahre später den Antrag auf Anerkennung
als Luftkurort. Auch diese Bemühungen
waren von Erfolg gekrönt. Am 4. Dezember
1973 hielten die Griesbacher das Anerkennungsschreiben
in Händen. In diesem Jahr konnte man
immerhin schon 31.850 Übernachtungen
verbuchen. Über 8000 Gäste logierten
in 15 Gasthöfen, 35 Privatpensionen,
vier Ferienwohnungen und 5 Bauernhöfen.
Zwischen diesen beiden Anerkennungen hatte
sich einiges ereignet, was die Zukunft der
Stadt entscheidend prägen sollte. Die
Gebietsreform 1972 löste zwangsweise
einen Wandel der Wirtschaftsstruktur aus.
Bisher waren die verschiedensten Ämter
Auslöser des Umsatzes und hielten die
meisten Arbeitsplätze vor. Nach der Verlegung
vieler Ämter und Institutionen waren
Ideen, ja Visionen gefragt, die diesen Verlust
ausgleichen konnten.
Die Bohrungen nach Thermalwasser in den Jahren
1972/73 standen für eine Neuorientierung
hin zum Kurwesen. Vor allem der Familie Hartl
ist es zu verdanken, dass dieser für
die damalige Zeit ungewöhnliche Plan
umgesetzt und ausgebaut werden konnte. Natürlich
brachte sich auch die öffentliche Hand
in Form eines Zweckverbandes, bestehend aus
dem Bezirk Niederbayern, dem Landkreis Passau
und der Stadt Griesbach i. Rottal in die Entwicklung
mit ein. Dem Zweckverband fiel die Aufgabe
zu, ein Kurmittelhaus zu errichten und zu
betreiben.
Im April 1977 war es dann soweit. Der erste
Gast durchschritt die Pforten des kommunalen
Kurmittelhauses. Keiner konnte sich damals
vorstellen, welches Potential in diesem schlammigen
Areal mit anfangs acht Häusern und zwei
Badebecken stecken würde. Im ersten Jahr
verzeichnete man stolze 79.000 Übernachtungen
und immerhin 10.000 Gäste hatten den
Weg nach Griesbach gefunden. Der rapiden Entwicklung
Rechnung zu tragen, war in den ersten Jahren
das oberste Ziel. Bereits vier Jahre nach
Badebeginn wurde der Kursaal eingeweiht. Im
gleichen Atemzug entstand das erste First-Class
Hotel in Bad Griesbach, gemanagt vom bekannten
Steigenberger-Konzern. Hotels, Kliniken und
Appartementhäuser schossen in die Höhe
und in den folgenden Jahren gab es gar keine
Möglichkeit, Luftaufnahmen vom Thermalzentrum
ohne Baukräne zu machen.
1983 wurde das Kurmittelhaus zum ersten Mal
erweitert und eine Tiefgarage für die
Autos der Badegäste gebaut. 1985 gab
es weiteren Grund zum Feiern: Das Innenministerium
verlieh der Stadt Griesbach für den Bereich
des Thermalzentrums den Titel "Heilbad".
Das alljährliche Badfest entwickelte
sich aus den damaligen Festlichkeiten. Auf
dem Badehügel fand in dieser Zeit das
große Graben statt. Häuser, die
keine eigene Therme besaßen wurden nun
mit sog. Bademantelgängen unterirdisch
an das kommunale Kurmittelhaus angeschlossen.
Eine Maßnahme, die in dieser Größenordnung
wohl einmalig in Deutschland ist, ebenso wie
die vielen Tiefgaragenplätze direkt unter
den Hotels. So haben die Fußgänger
im Thermalzentrum Vorfahrt, denn die Autos
sind Kellerkinder. Die Gäste schätzen
aber vor allem den bequemen Zugang "vom
Bett ins Bad".
In den 80er Jahren stieg die Bettenzahl von
insgesamt 1500 auf über 4000. Das war
nicht nur auf die rege Bautätigkeit im
Thermalzentrum zurückzuführen. Auch
im Altstadtbereich verdreifachte sich die
Bettenzahl innerhalb einer Dekade von 474
auf 1.444. Aber nicht nur die Bettenzahl stieg
enorm, auch die Gästeankünfte und
Übernachtungen. Im Jahre 1990, im 13.
Jahr des Bestehens, konnte bei den Nächtigungen
das erste Mal die magische Millionengrenze
überschritten werden und annähernd
100.000 Gäste hielten sich in den Beherbergungsbetrieben
auf.
Zwei Jahre vorher, also 1988, wurde ein Schritt
vollzogen, der damals etwas ungläubiges
Staunen und Verwunderung hervorrief, sich
aus heutiger Sicht aber als Meilenstein in
der touristischen Entwicklung Bad Griesbachs
erwies. Wieder war es Alois Hartl der die
nötige Weitsicht besaß und mit
der Eröffnung des 18-Loch-Meisterschaftplatzes
Sagmühle den Golfsport in Bad Griesbach
etablierte. Mit inzwischen sechs 18-Loch Plätzen,
drei 9-Loch Plätzen und dem Golfodrom,
einem riesigen Übungsgelände, nimmt
das Hartl Golf Resort Platz 1 in Europa ein
und verschafft damit auch der Stadt Bad Griesbach
eine Sonderstellung.
Von vielen unbemerkt begann in diesem Jahr
mit der Blüm´schen Gesundheitsreform
der Niedergang des Kurwesens in ganz Deutschland.
Zwar konnten in den nächsten Jahren die
Übernachtungen weiter gesteigert werden,
ja man erreichte 1993 mit 1,3 Mio. die höchste
Marke aller Zeiten, aber plötzlich jagte
eine Gesundheitsreform die Nächste. Das
ging auch an Bad Griesbach nicht spurlos vorüber.
Am schlimmsten wirkte sich die Gesundheitsreform
unter Minister Horst Seehofer im Jahre 1997
und hier besonders bei den stationären
Kuren aus. Bei den Kliniken und Sanatorien
waren fast 50-prozentige Rückgänge
zu verzeichnen.
Die Renovierung und Erweiterung des Kurmittelhauses
war ein Lichtblick zur rechten Zeit. Neben
dem Ausbau auf nun sechs Außenbecken
und sieben Innenbecken wurde die "Wohlfühltherme"
nun auch mit einer orientalischen Attraktion
versehen, dem "Hamam", dem Türkischen
Bad.
Ins neue Jahrtausend startete die "Stadt
Bad Griesbach" mit der Gesamtbadanerkennung.
Die Zukunft liegt nun auch für den Rottaler
Urlaubs- und Gesundheitsort in neuen Konzepten
und Produkten. Die breite Palette der Gesundheits-
und Wellnessangebote in den Hotels und in
der Wohlfühl-Therme bieten dazu sicher
eine gute Ausgangsposition.
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